Braucht man ein Herdschutzgitter bei Induktion?

Mama kocht mit Kind.

Auch bei modernen Induktionsherden ist ein Herdschutz eine wichtige Sicherheitsvorrichtung in Baby-, Tier- und Kinderhaushalten. Wasser kocht bei 100 °C, schwerste Verbrennungen treten auf zarter Kinderhaut bereits ab 60 °C auf – schmerzhafte Verbrühungen sogar ab etwa 50 °C. Der Herdschutz bewahrt Kinder zudem nicht „nur“ vor dem Griff auf die (Induktions-)Herdplatte. Er schützt gleichermaßen vor heißen Töpfen, an denen Kleinkinder traditionell oft ziehen oder versehentlich an deren heiße Außenseite fassen.

Definition: Was ist ein Induktionsherd?

Induktionsherde nutzen das physikalische Prinzip der namensgebenden Induktion über magnetische Wechselfelder. Dafür befinden sich unter der Glaskeramikfläche Spulen, die den ferromagnetischen Topfboden induzieren. Die Folge: Hitze entsteht nicht direkt auf den Herdplatten, sondern unmittelbar am Topfboden. Damit bleiben Kochfelder kühler als bei anderen Herdformen, erwärmen tun sich diese aufgrund der übertragenen Restwärme vom Topf aber dennoch.

Sind Induktionsherde wirklich kindersicher?

Ein Kleinkind greift nach einer Pfanne, die auf dem Herd steht.

Sind Induktionsherde damit automatisch kindersicher? Da sich die Herdplatte nicht direkt erwärmt und auch nicht sichtbar rot wird, wird die Sicherheit der Induktionsplatten in Kinderhaushalten mitunter überschätzt. Der Gedankengang ist hier: Ohne ein heißes Kochfeld, gibt es auch keine Verbrennungsgefahr.

Die Realität ist: Tatsächlich reduzieren Induktionsherde das Risiko, sich an der Herdplatte zu verbrennen – da diese schließlich vergleichsweise kühl bleibt. Für Eltern und deren Kinder (sowie Haustiere) ist die Herdplatte selbst aber nicht die Hauptgefahrenquelle. Viel gefährlicher ist das, was auf dem Kochfeld steht: Heiße Töpfe und Pfannen sowie deren Inhalte. Diese Risiken liegen auch bei Induktionsherden weiterhin vor.

Die tatsächlichen Gefahrenquellen lassen sich in Zahlen verdeutlichen:

In Kinderhaushalten sind Induktionsherde also sicherer als beispielsweise Gasherde. Induktionsherde sind aber nicht automatisch eine hundertprozentig sichere Lösung, nur weil deren Kochfelder nicht heiß werden.

Was ist der Unterschied zwischen Verbrennungen und Verbrühungen?

Der eben vorgestellte Mythos existiert auch deshalb, weil Verbrennungen und Verbrühungen noch zu häufig synonym gesehen werden. Beides sind aber unterschiedliche Verletzungen. Verbrennungen entstehen, wenn die Haut in Kontakt mit einer heißen Oberfläche kommt. So zum Beispiel der heißen Außenseite von einem Topf oder der Ceran-Herdplatte. Verbrühungen hingegen entstehen durch den Kontakt mit heißer Flüssigkeit oder Dampf und kommen im Haushalt deutlich häufiger vor. Da genügt schon etwas übergeschwappter Tee oder Suppe. Ebenso entstehen sie, wenn Kinder beispielsweise den Kochtopf mit heißem Wasser vom Herd ziehen.

Die Elterninitiative Paulinchen, die sich aktiv für brandverletzte Kinder einsetzt, fasst die Gefahren in Zahlen zusammen: Jährlich müssen mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche wegen Verbrennungen oder Verbrühungen behandelt werden. 7.000 davon sogar mit stationärem Aufenthalt.

Wie empfindlich ist Kinderhaut gegenüber Verbrennungen und Verbrühungen wirklich?

TemperaturSchädigung der Haut
40 – 45 °CErste Zellschädigungen und Rötungen können auftreten
50 – 52 °CHeiße Flüssigkeiten können zu Verbrennungen 2. Grades und Blasenbildung führen
60 – 70 °CBereits eine oder zwei Sekunden Kontakt genügen für tiefe Verbrennungen des 2. oder 3. Grades
71 °C oder mehrWie auch bei Erwachsenen, sind schwerste Verbrennungen (3. oder 4. Grad) möglich

Quelle: draco.de

Welche Gefahren existieren auch in Küchen mit Induktionsherd?

1. Töpfe oder Pfannen werden heruntergezogen

Für Kinder ist sehr interessant, was sich da auf dem Herd und in der Küche abspielt. Manchmal etwas zu interessant. Sie greifen aus Neugier oder Instinkt nach Griffen und Pfannenstielen, aufgrund ihrer kleinen Körpergröße und der Schwerkraft ziehen sie diese dann zu sich hin. Durch die Hebelwirkung genügt schon ein leichter Zug, dann kippt der Topf mitsamt Inhalt und ergießt sich über das Kind.

2. Verbrühungen mit heißen Flüssigkeiten

Flüssigkeiten können Hitze länger als Oberflächen konservieren. Das ist vor allem bei Kontakt mit Suppe, Nudelwasser, Milch und Tee eine typische Gefahrenquelle. Selbst ein kleiner Kontakt kann bereits, weil sich die Flüssigkeit auf der Haut ausbreitet, für eine großflächige Verbrühung sorgen.

3. Restwärme vom Induktionskochfeld

Induktionsplatten werden nicht heiß, sie sind in Nutzung trotz der Induktion aber nicht komplett kalt. Es findet weiterhin ein Wärmetransfer zwischen dem Topf- oder Pfannenboden und der Platte statt. Kinder könnten folglich nach dem Kochen auf die nun freie Induktionsplatte greifen. Aufgrund des Wärmetransfers hat diese zu diesem Zeitpunkt mitunter noch eine Temperatur von etwa 50 °C.

4. Kinder ziehen sich am Herd hoch

In der Steh- und Greifphase (bei Kindern zwischen 8 und 12 Monaten) ist das Risiko dafür besonders hoch. Sie ziehen sich instinktiv hoch und erreichen damit heiße Töpfe und Pfannen sowie deren Inhalt. Schon ein kurzer Moment der Unachtsamkeit genügt dafür, sollte es beispielsweise gerade an der Tür klingeln.

Welchen Nutzen hat ein Herdschutz in Kinderhaushalten?

Ein Herdschutz schafft eine physische Barriere zwischen dem Kind und den Gefahrenquellen auf dem Herd. So einen Herdschutz kannst Du Dir demnach ähnlich wie ein Lauf- oder Babybettgitter vorstellen. Der Herdschutz lässt sich unkompliziert anbringen und abnehmen. Einmal installiert, erfüllt der Herdschutz mehrere wichtige Schutzfunktionen.

  • Herunterziehen: Töpfe und Pfannen bleiben an dem Herdschutz „hängen“, fallen also nicht herunter.
  • Greifen auf das Kochfeld: Wird durch den Herdschutz deutlich erschwert, da dieser den Abstand erhöht und als eine Art „Schutzmauer“ agiert.
  • Kein direkter Kontakt mit Essen & Flüssigkeiten: Kinderarme sind vom Boden aus zu kurz, um über den Herdschutz in den Topf oder die Pfanne zu greifen.

Wichtig zu wissen: Ein Herdschutz reduziert das Unfallrisiko. Der Herdschutz ersetzt aber keine fortwährende Aufsicht der Kinder oder allgemeine Regeln für ein sicheres Kochen in Kinderhaushalten.

Wann ist ein Herdschutz besonders wichtig – und worauf ist beim Kauf zu achten?

Mit dem sechsten Monat des Babys wird der Herdschutz erstmals wichtig: In diesem Alter greifen Babys aktiv und versuchen sich hochzuziehen. Zwischen 8 und 18 Monate gehen sie auf Erkundungstour und sind in der Küche öfter dabei. Dies sollte unbedingt gefördert werden, ohne dabei die Sicherheit zu vernachlässigen. Aber auch danach reduziert der Herdschutz weiterhin die Unfallgefahr.

Auch bei Kochfeldern mit Induktion ist der Herdschutz in diesen Fällen eine Bereicherung:

  • sofern die vorderen, gut erreichbaren Kochfelder häufiger genutzt werden
  • wenn Topfgriffe oder große Pfannen überstehen
  • in offenen Küchen/Wohnküchen, in denen sich Kinder häufiger frei bewegen
  • generell weil ein kurzer Moment der Ablenkung nie hundertprozentig ausgeschlossen werden kann

Sollte ein Punkt oder mehrere davon auf Dich und Deine Küche zutreffen, ist ein Herdschutz eine Überlegung wert. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Unfälle nicht ankündigen. Die Wahrscheinlichkeit dafür präventiv in einem realistischen Maße weitgehend zu reduzieren, ist die beste Absicherung für Eltern und deren Kinder. Du solltest daher kein Risiko eingehen und in jedem Fall auf einen Herdschutz setzen.

Sofern Du Dir einen Herdschutz zulegen möchtest, kannst Du dafür die nachfolgende Checkliste verwenden:

  • Wähle passend zur Herdbreite und Größe der Arbeitsplatte (vorher ausmessen, damit der Herdschutz lückenlos passt)
  • Herdschutzgitter sollten keine scharfen Kanten haben und natürlich temperaturstabil sein
  • Die Befestigung muss stabil genug sein, damit Kinder den Schutz nicht lösen oder verschieben können
  • Herdschutzelemente müssen sich mit ausreichendem Abstand zum Kochfeld montieren lassen
  • Das Material sollte sich selbst bei Fettspritzern einfach reinigen lassen, ideal ist eine Spülmaschineneignung

Wann ist bei Verbrennungen und Verbrühungen ärztliche Hilfe zu suchen?

Im Zweifelsfall sind Verletzungen immer ärztlich abzuklären. Speziell bei Kontakt mit Hitze und daraus resultierenden Verbrennungen und Verbrühungen gilt: lieber handeln, als abzuwarten! Ist die betroffene Hautfläche größer als die Handfläche des Kindes, ist sofort ein Arzt aufsuchen. Selbiges gilt bei Kontakt mit Temperaturen jenseits der 60 °C.
Konsultiere außerdem einen Arzt oder den Notruf, sofern eine sichtbare Blasenbildung vorliegt oder Dein Kind Symptome wie Schock und Apathie aufweist.

FAQ – Häufige Fragen zum Thema Herdschutz

Unbedingt! Auch bei einem Induktionsherd ist ein Herdschutz sinnvoll und wichtig, denn nicht die Herdplatte selbst stellt die größte Gefahr dar, sondern heiße Töpfe, Pfannen und deren Inhalt, die Kinder herunterziehen können. Nur ein Herdschutz reduziert dieses Risiko erheblich.

Nein, eine Abschaltautomatik ersetzt keinen Herdschutz! Sie verhindert zwar Überhitzung, schützt aber nicht vor heißen Töpfen oder heruntergezogenen Flüssigkeiten. Wenige Sekunden der Unaufmerksamkeit reichen.

Ein Herdschutz ist sinnvoll, sobald Dein Kind mobil wird. Das ist meist ab dem Krabbelalter der Fall, da Kinder dann beginnen, ihre Umgebung aktiv zu erkunden. Viele Eltern sind überrascht davon, wie schnell ihr Kind plötzlich anfängt zu klettern.

Es gibt einerseits Herdschutzgitter, die horizontale Gitterstreben nutzen. Andererseits gibt es noch Herdschutz-Lösungen, bei denen die Frontfläche komplett geschlossen ist. Durch diese können selbst filigrane Kinderfinger nicht durchfassen. Hinzu kommen verstellbare Herdschutze oder Gitter in Sondergrößen, für besonders große Kochflächen.

Das ist vom jeweiligen Produkt abhängig. Herdschutzgitter von reer lassen sich gänzlich ohne Bohren oder Schrauben montieren. Stattdessen wird zum Beispiel ein speziell entwickeltes Klebeband verwendet, das sich später auch wieder leicht lösen lässt.

Nein, ein Herdschutz stört beim Kochen in der Regel nicht. Herdschutzgitter von reer sind so konzipiert, dass sie ausreichend Bewegungsfreiheit lassen und den Zugriff auf Töpfe und Pfannen kaum einschränken. Gleichzeitig sorgen sie für ein deutlich höheres Sicherheitsgefühl im Alltag, ohne den Kochkomfort wesentlich zu beeinträchtigen.

Ein Herdschutz ist sehr wichtig, sollte im Idealfall aber mit weiteren Maßnahmen kombiniert werden.
Empfehlenswert ist zum Beispiel eine separate Herdknopf-Sicherungen. Die wichtigsten Faktoren bleiben aber die konstante Aufsicht und Aufmerksamkeit.


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Die kindersichere Küche: So verhinderst Du Verletzungen an Herd und Co.
Ist kindersicher immer sicher? Warum Du bei der Kindersicherheit nicht sparen solltest!
Checkliste – woran erkenne ich ein hochwertiges Kindersicherheitsprodukt?


reer Produkte für eine sichere Küche:

Basic
Herdschutz

  • schützt Kinder vor Verbrühungen und Verbrennungen am Herd
  • geeignet für Elektro- und Induktionsherde
  • besonders sicher durch extra hohe Konstruktion und wärmeisoliertes Material
  • geeignet für Kochfelder von 55 – 61 cm
  • Montage ohne Bohren und Schrauben durch Klebeleisten auf der Arbeitsplatte (rückstandslos zu entfernen)

Premium XL Herdschutz

  • schützt Kinder vor Verbrühungen und Verbrennungen am Herd
  • geeignet für Elektro-, Gas- und Induktionsherde
  • geeignet für Kochfelder mit einer Breite von 57 – 90 cm
  • Montage ohne Bohren und Schrauben durch Klebeleisten auf der Arbeitsplatte (rückstandslos zu entfernen)
  • spülmaschinengeeignet (im oberen Fach)

Herdknopf
Abdeckung

  • verhindert, dass Kinder den Herd oder den Backofen einschalten können
  • schützt vor Verbrennungen und Küchenbrand
  • besonders starke Magnete für einen kindersicheren Halt ohne Bohren und Kleben
  • geeignet für  alle Knopfarten von herkömmlichen, magnetischen Bedienfeldern – auch für versenkbare Knöpfe!