Erste Hilfe bei Vergiftungen

Kinder vergiften sich besonders häufig zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr. Sie wollen ihre Umgebung entdecken – und dazu stecken sie vieles in den Mund. Von einem Tag auf den anderen können die Kleinen plötzlich Pflanzen, verdorbene Lebensmittel, die Hausbar oder den Putz- und Medizinschrank erreichen.

Einige häufige und oft ungeahnte Vergiftungsrisiken verrät Dir Daniela Kambor in ihrem Gastbeitrag. Außerdem empfiehlt sie Apps, die über die Giftigkeit verschiedener Reinigungsmittel, Caps, Pflanzen und Co. informieren. Sie gibt auch Tipps, wie du das Risiko einer Vergiftung minimieren kannst. Aber wenn doch einmal etwas passiert, findest Du hier alle Infos, was Du tun musst.

Vergiftungen mit Haushaltsreinigern und Haushaltsmitteln

Die Gefahr: Haushaltsreiniger und Haushaltsmittel können reizende oder stark ätzende Substanzen enthalten. Besonders gefährlich sind Rohrreiniger und Abflussreiniger, WC-Reiniger, Backofen-Reinigerund Grill-Reiniger, Entkalker, Benzin, Lampenöle und flüssige Grillanzünder, außerdem Steinreiniger für die Terrasse.

Was tun bei Vergiftungen durch Haushaltsreiniger und Haushaltsmittel?

  1. Bewahre Ruhe und beruhige Dein Kind!
  2. Öffne den Mund Deines Kindes und versuche, die Reste des Mittels zu entfernen.
  3. Gib Deinem Kind vorsichtig etwas Wasser, Tee oder Saft zu trinken. Achtung: Kein Mineralwasser mit Kohlensäure!
  4. Dein Kind darf beim Trinken keinen Brechreiz bekommen – die ätzende Substanz würde erneut durch die Speiseröhre wandern und dort eine zusätzliche Schädigung verursachen.
  5. Nimm die Verpackung des Reinigungsmittels und ruf das Giftnotrufzentrum an. Der Gift-Notruf gibt Dir weitere Anweisungen.
  6. Wenn Du Dein Kind zum Kinderarzt oder ins Krankenhaus bringst, nimm auch hier das Putzmittel mit.

Vergiftungen mit Medikamenten, Pflanzen, Zigaretten oder anderen gefährlichen Substanzen

Die Gefahr: Kleine Kinder interessieren sich für alles: Tabletten (nenne Tabletten deshalb bitte niemals „Bonbons“!), Zigaretten und Liquids, bunt leuchtende Petroleumlampen, aber auch Zimmer- und Gartenpflanzen, Blätter, Zweige, Blüten, Beeren, Pilze, Blumenwasser und auch Blumenerde oder die hübschen Substratkügelchen werden in den Mund genommen und geschluckt. Neben der Erstickungsgefahr durch Kleinteile besteht hier oft auch Vergiftungsgefahr.

Eine Vergiftung erkennst Du am ungewöhnlichen Verhalten Deines Kindes wie Erregung, Störungen der Bewegung (unserer Gang, Greifen nach unsichtbaren Gegenständen), Schläfrigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder unkontrolliertem Speichelfluss. Alle diese Symptome sind schon Vergiftungserscheinungen und erfordern schnelles, aber ruhiges Handeln.

Was tun bei Vergiftungen mit Medikamenten, Pflanzen, Zigaretten, oder anderen gefährlichen Substanzen?

  1. Bewahre Ruhe und beruhige Dein Kind!
  2. Öffne den Mund Deines Kindes und entferne, was sich noch im Mund befindet!
  3. Versuche herauszufinden, was Dein Kind geschluckt hat und wie viel. Wenn es nach Reste im Mund hatte, wickle sie in ein sauberes Taschentuch und nimm sie mit zum Arzt bzw. ins Krankenhaus!
  4. Falls Dein Kind selbstständig zu erbrechen anfängt, halte die Atemwege frei!
  5. Löse selbst KEIN Erbrechen bei Deinem Kind aus!
  6. Zeigt Dein Kind noch keine Anzeichen einer Vergiftung, ruf das Gift-Notrufzentrum an und sage, was das Kind geschluckt hat oder haben könnte! Der Gift-Notruf gibt Dir weitere Anweisungen.
  7. Zeigt Dein Kind bereits Anzeichen einer Vergiftung, fahr sofort zum nächsten Kinderarzt bzw. ins Krankenhaus oder ruf den Notruf 112 an!
  8. Nimm die Ursache der Vergiftung möglichst mit! (Medikamentenschachtel, Pflanzenteile, etc.)
  9. Gib KEINE Milch – Milch ist kein Gegengift! Bei vielen Substanzen fördert Milch sogar die Aufnahme des Giftes in den Körper, sodass Vergiftungserscheinungen schneller auftreten können.

Auch Verbrennungen sind schmerzhaft und müssen versorgt werden. Erfahre hier mehr über Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen.

Bienenstich und Wespenstich sind allein schon wegen des Stichs schmerzhaft, gleichzeitig sind sie auch Vergiftungen. Wegen dieser Besonderheit findest Du hier einen eigenen Beitrag zu dem Thema Erste Hilfe bei Bienenstich und Wespenstich.

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