Nachgefragt bei PD Dr. Thomas Ebinger, Hand- und Plastischer Chirurg

Thomas Ebinger ist Chefarzt der Klinik für Hand-, Plastische und Mikrochirurgie am Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart. Zur Plastischen Chirurgie gehört auch die Versorgung großflächiger Verbrennungen und Verbrühungen. Wir haben Dr, Ebinger nach seiner Arbeit im Spezialgebiet der Kinder-Handchirurgie gefragt und ihn natürlich gebeten, uns seinen Tipp für mehr Kindersicherheit zu geben.

Wie sind Sie zu Ihrer aktuellen Tätigkeit gekommen?

Nach dem Studium in Ulm war ich 12 Jahre in der Chirurgischen Universitätsklinik in Ulm im Fachgebiet Unfallchirurgie, Hand- und Plastische Chirurgie tätig. Durch die Spezialisierung im Fachgebiet Hand- und Plastische Chirurgie konnte ich viel Erfahrung bei der Behandlung von Kinderunfällen und vor allem auch Verbrennungen gewinnen. 2003 konnte ich eine kinderhandchirurgische Sprechstunde etablieren, welche ich auch seit dem Wechsel nach Stuttgart mit dem Aufbau einer eigenen Abteilung im Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart im Jahr 2005 fortführen konnte.

Was sind die größten Gefahrenquellen für Kinder, die Ihnen bei Ihrer Arbeit begegnen?

Die Kinder ziehen sich anhand des Alters ganz unterschiedliche Verletzungen zu. Bezüglich der Verbrennungen ist der häusliche Bereich besonders im Bereich der Küche und am Herd zu erwähnen. Hier können die stehenden Kleinkinder mit den Händen über Kopf Gegenstände auf dem Herd zu sich ziehen. Dies führt oftmals bei Töpfen mit kochendem Wasser zu schweren Verbrennungen im Bereich des Kopfes und dem Oberkörper.

Was sind die häufigsten Verletzungen, die Sie bei Kindern behandeln? Welche Folge haben die Verletzungen für die Opfer?

Die Kleinkinder ziehen sich häufig Quetschverletzungen der Fingerendglieder, z.B. an Türen zu. Kindergarten- und kleine Schulkinder verletzen sich oftmals im Bereich der Wachstumsfugen der Fingerknochen. Zusätzlich kommt es häufig zu Messerstichverletzungen, z.B. beim Schnitzen von Holz mit Beteiligung von Sehnen, Nerven oder Gefäßen. Einige Verletzungen führen zu einer Wundinfektion. Verbrennungen der Hände selbst können meist ohne Intensivstation behandelt werden. Hier sind aber in der Folge Narbenprobleme häufig, welche dann im Verlauf noch behandelt werden müssen. Verbrennungen im Gesicht und im Bereich der Oberkörper führen in aller Regel zu einer Verbrennungskrankheit mit diesbezüglich intensivmedizinischer Betreuung und entsprechenden Folgen.

Ist Ihnen ein Unfall besonders in Erinnerung geblieben?

Seit 14 Jahren behandeln wir kostenneutral jährlich ein schwerverbranntes Kind aus Krisengebieten, welches die Versorgung im Land selbst nicht erhalten kann. Hier ist jedes Kind eine medizinische Herausforderung.

Was können Eltern tun, um Verletzungen ihrer Kinder zu vermeiden?

Sicher ist eine 100%ige Vermeidung von Unfällen jeder Art nicht möglich. Die Entwicklung der Kinder erfordert einen Einsatz der Hände, um die Welt kennenzulernen. Hier sind kleinere Verletzungen sicher nicht auszuschließen. Prinzipiell ist aber ein kleines Kind in der Küche immer zu beaufsichtigen, da hier gerade beim Kochen eine erhebliche Gefahr vorliegt.

Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Ebinger!