Experteninterview mit unserem Geschäftsführer Tim Lorenz

Mehr Sicherheit für Kinder: aber bitte nicht in Watte gepackt!

Experten-Interview mit Tim Lorenz, dem Geschäftsführer der reer GmbH, dem deutschen Traditionsunternehmen und Marktführer für Kindersicherheitsartikel.

 

Tim Lorenz - Geschäftsführer reer GmbH LeonbergAuf ihrer Entdeckungstour werden Kinder von allem magisch angezogen. Doch nicht alles ist für sie geeignet, manches kann auch gefährlich werden. Ob Treppen, Schubladen, heiße Töpfe oder spitze Gegenstände – überall schlägt das kindliche Entdeckerherz höher. Damit die Kleinen ihre Umwelt sicher erkunden können, sollte die Umgebung kindgerecht und sicher gestaltet werden. Tim Lorenz gibt Ihnen Tipps für ein sicheres Zuhause, das genügend Freiraum zur Entfaltung lässt.

 



Herr Lorenz, was muss man beim Thema Kindersicherheit in erster Linie beachten?
Wer bereits einige Grundregeln beachtet, kann sein Kind schon vor schlimmen Unfällen im eigenen Zuhause bewahren. Die Gefahren und Risiken sind dabei von verschiedenen Faktoren abhängig.

Welche Faktoren sind das?
Ausschlaggebend ist zum einen das Gesicherte WaschmaschineAlter und somit die Fähigkeiten des Kindes. Denn jede Altersphase birgt andere Gefahren. Je älter das Kind wird, umso mehr entwickeln sich dessen  Fähigkeiten. Die Kleinen haben einen enormen Entdeckungsdrang, der nicht unterschätzt werden darf. Eltern sollten grundsätzlich versuchen, die Welt aus der Perspektive des Kindes zu sehen. Auf diese Weise erkennt man schon viele Gefahrenstellen und kann diese entschärfen.

Weitere Faktoren sind die individuelle Familien- und Wohnsituation. Hier gilt es zu berücksichtigen, ob man in einer Wohnung oder zum Beispiel einem mehrstöckigen Haus wohnt. Darüber hinaus spielt auch die Anwesenheit größerer Geschwisterkinder eine Rolle. Ganz grundsätzlich gilt natürlich immer, dass Eltern eine Aufsichtspflicht gegenüber dem Kleinkind haben und dieses nicht alleine lassen sollten.

Was sind die häufigsten Ursachen für Unfälle?
Grund für viele Unfälle ist, dass Eltern sich der Gefahren nicht bewusst sind oder diese unterschätzen. Viele Unfälle sind mit dem entsprechenden Wissen und kleinen Helfern vermeidbar. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass gezielte Aufklärung und die Schaffung eines Gefahrenbewusstseins nicht mit Panikmache verwechselt werden dürfen. Vielmehr sollten Eltern die häufigsten und schlimmsten Gefahren kennen, um vorbeugen zu können.

Wo drohen den Kindern die größten Gefahren?BAG - Mehr Sicherheit für Kinder
Laut der „Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V.“ dominieren bei Kindern unter 15 Jahren Unfälle im Haushalt. So zum Beispiel Stürze, Stöße, Verletzungen durch spitze Gegenstände und Einklemmen. Bei Kindern unter vier Jahren liegen die Unfallschwerpunkte  altersbedingt bei Sturzunfällen, wie zum Beispiel vom Wickeltisch oder Bett. Dazu kommen Unfälle wie Ersticken, Vergiftungen, Verbrühungen, Elektrounfälle und Ertrinken.

Warum ist das eigene Zuhause eine so große Gefahrenquelle?
Mit zunehmendem Alter wachsen Mobilität und Aktionsradius des Kindes und damit auch die Gefahren und Risiken. Gleichzeitig haben Kinder etwa bis zum vierten Lebensjahr noch kein Gefahrenbewusstsein - so können ganz alltägliche Situationen wie eine heiße Herdplatte, eine Treppe oder ein unverschlossener Medizinschrank tragische Folgen haben. Laut Statistik gehören Unfälle zu den höchsten Gesundheitsrisiken von Kindern. Jährlich erleiden rund 300.000 Kinder einen Unfall im häuslichen Bereich, davon sind ca. 60% unter 6 Jahren.

Schätzen Eltern das Gefahrenpotenzial im eigenen zu Hause richtig ein?
Die realen Unfallgefahren im eigenen Haushalt werden von vielen Eltern als relativ unbedeutend und damit völlig falsch eingeschätzt. Aus Umfragen geht hervor, dass sie den Straßenverkehr als mit Abstand gefährlichsten Ort für ihre Kinder definieren. Zugleich wird die Gefahr von Unfällen zu Hause als relativ gering angesehen. Unfallstatistiken belegen allerdings etwas ganz anderes. Dementsprechend ist vor allem bei Kleinkindern die Zahl der Unfälle in der eigenen Wohnung zehnmal so hoch wie im Straßenverkehr.   Abgesicherte Treppe mit Kind

Welche Sicherheitsartikel würden Sie empfehlen?

Wirklich unerlässlich sind in Haushalten mit Kleinkindern unter drei Jahren auf jeden Fall Treppenschutzgitter im Wohnbereich mit Treppen. Mit Türgittern lassen sich übrigens auch  „unsichere“ Räume absperren. Darüber hinaus sollten Steckdosensicherungen zum Standard gehören. Auch ein Herdschutzgitter ist überaus sinnvoll. Wer darauf verzichtet sollte, wenn kleine Kinder im Haushalt leben, auf den hinteren Platten kochen.

Entsprechend der Wohnsituation bietet der Einsatz von Fensterriegeln, Türstoppern, Möbel-Kippsicherungen, Anti-Rutsch-Streifen sowie Ecken-/Kantenschutz aber auch von Schubladensicherungen hervorragenden Schutz, um mit wenig Aufwand schwere Unfälle zu vermeiden.

Gibt es Sicherheitsartikel, die der Gesetzgeber vorschreibt?
In bestimmten Bundesländern gilt bereits seit dem Jahr 2000 eine Rauchmelder-Pflicht für Kinderzimmer, Schlafräume und Flure. Meines Erachtens sind Rauchmelder grundsätzlich sehr wichtig. Sie sind insbesondere in weitläufigen Wohnungen oder Häusern sehr empfehlenswert, da es bereits zu Rauchvergiftungen kommt, bevor ein Brand bemerkt wird.

Was muss man bei Sicherheitsartikeln beachten?
Leider gibt es bisher nur wenige gesetzliche Vorgaben für diese Produkte, sodass es viele Artikel auf dem Markt gibt, die nur Scheinsicherheit bieten. Eltern sollten auf eine gute Qualität achten und möglichst nicht an dieser Stelle sparen. Als Mitglied des DIN-Normengremiums ist es unser Ziel, die allgemeinen Anforderungen an Sicherheitsprodukte auf ein kindersicheres Niveau anzuheben.
Es ist ein großer Erfolg, dass im September 2017 die neue europäische Norm für Schubladen- und Schranksicherungen in Kraft getreten ist. Dank unseres Wissensvorsprungs sind wir im Moment der einzige Anbieter von normgerechten Schranksicherungen. Ein Kindersicherheitsartikel kann allerdings niemals die Aufsicht der Eltern ersetzen!


Kind beim Spielen - Abgesicherte Tischecke mit Eckenschutz

Haben Sie Tipps, wie Eltern ihre Kinder unterstützen könnten?

Vor allem dürfen Kinder nicht in Watte gepackt werden! Vielmehr sollten Eltern das kindliche Selbstbewusstsein und die motorischen Fähigkeiten fördern. Kinder mit guten motorischen und koordinativen Fähigkeiten stürzen seltener
und weniger schwer. Niemand kann eine 100%ige Sicherheit gewährleisten, daher müssen Kinder sogar negative Erfahrungen machen dürfen, damit sich ihr Gefahrenbewusstsein entwickeln kann. Außerdem brauchen Kinder
Freiräume, um ihre Umwelt auch selbstständig erkunden zu können. Eltern sollten dabei lediglich sicherstellen, dass die Umgebung keine großen Risiken birgt. Um Eltern dabei zu unterstützen, ihr Zuhause kindersicher zu
gestalten, haben wir nach dem Motto „Gefahren sehen, verstehen, verhindern“ einen interaktiven Ratgeber umgesetzt. Hier sehen Eltern die häufigsten Gefahrenstellen und erhalten zahlreiche Tipps und Lösungsmöglichkeiten. Den Ratgeber finden Sie unter www.reer.de.